Noelle (11-12 Jahre, weiblich, kastriert)

Aktualisierung am 28.04.2021

 

Noelle

 

Im Widerspruch der Gefühle zwischen ersehnter Nähe und gewünschtem Abstand

 

Die heute ca. 11-jährige Noelle gehört zu den Tieren, die als Patenhund in der Tierstation ihr Leben zu Ende leben müssen, dachten wir und hegten insgeheim doch den Wunsch, Noelle möge sich ändern und erkennen, dass nicht alle Menschen auf Abstand zu halten sind mit Schnappern, wenn man ihr zu nahe kommt. Niemand kannte die Gründe, die sie dazu bewegten und warum sie beharrlich dabei bleibt, mit Menschen leben zu wollen, aber eben nicht bedrängt zu werden. Liebe auf Distanz.

 

Da so kleine Hunde wie Noelle in der großen Masse der Tiere leicht untergehen, manchmal auch verletzt werden, ist es schwer zu akzeptieren, dass die Jahre mit Chance auf ein glücklicheres Leben ungenutzt vorüber gehen.

 

Dank Noelles Patenschaften musste es nicht an gutem Futter fehlen oder an tierärztlichen Untersuchungen, von denen Noelle sich natürlich auch nicht angetan zeigte. Was Menschen dieser kleinen Hündin angetan haben müssen, scheint unvorstellbar. Wir alle wissen, wie viel unsere Vierbeiner uns verzeihen an falschen Stimmungen oder unangenehmen Situationen, in die wir sie vielleicht schon einmal unbedacht gebracht haben. Noelle aber trägt Erfahrungen mit Menschen in sich, die sie zum Außenseiter/Einsiedler unter Menschen machten.

 

Was jetzt erneut bewegt rund um Noelle, ist ihr aktuelles Schicksal. Noelle leidet seit langem an einer Ohrentzündung, die ihr unsägliche Schmerzen bereitet haben muss. Der Tierarzt bestätigt nach unzähligen Behandlungen, dass Noelles linkes Innenohr unwiederbringlich geschädigt ist, während das rechte Ohr alle 14 Tage von ihm gesäubert werden muss. Was anfangs nicht ohne Narkose möglich war wegen Noelles Abwehr, ist heute mit Maulkorb möglich. Neben der leidigen Ohrentzündung wird Noelle nun auch auf Zeckeninfektionen und Leishmaniose behandelt. Sie erträgt die Behandlungen inzwischen, ist aber natürlich nicht begeistert, wenn sie wieder angeleint wird für den nächsten Tierarztbesuch.

 

Trotz all dem ist Noelles Leben für sie lebenswert. Kaum zurück in der Tierstation kehrt sie auf ihr neues Lieblingsbett (eine Spende aus Deutschland) zurück und genießt die „Sofazeit“.

 

Oft haben wir uns gefragt, wer sich wohl noch so einem eigensinnigen, wehrhaften, kleinen ergrauten schwarzen Zwerg annehmen würde. Gäbe es für Noelle noch ein Zuhause mit Herz und Nähe bei gleichzeitig gebotenem Abstand? Wer könnte einer verlorenen Seele Geborgenheit und Wärme geben wollen und im Gegenzug von ihr Kälte und Abstand spüren und mit Verständnis annehmen können? Könnte sich Noelle unter anderen Bedingungen vielleicht noch ändern? Die Bilder von ihr sind herzerweichend und doch bleibt die reale Betrachtung einer schier unlösbaren Aufgabe, denn aufgeben dürfte man dann nicht.

 

An dieser Stelle unseren größten Respekt an die Stationsleiterin, die niemals aufgibt und jedem noch so schwierigen Tier Obdach gibt und es auf allen Wegen begleitet nach den gegebenen Möglichkeiten. Bei allem vergisst sie nie, dass Probleme, so sie auftreten und schwer beizulegen sind, von Menschenhand gemacht wurden. Wie kann man da noch an Mitmenschen glauben wollen? Weil es auf der anderen Seite auch die Menschen gibt, die genau diese Schicksale bewegen und dort helfen, wo Hilfe nötig ist.

 

Das letzte aufrichtige Dankeschön gilt daher Noelles Paten, die sie seit Jahren unterstützen. Ohne Sie würde man Noelle nicht so versorgen und ihr regelmäßig tierärztlich unterstützend helfen können. 

Stand: 18.09.2018

Noelle – ein Leben ohne den Zauber der Weihnacht

Der Name Noelle stammt aus dem Französischen. Kinder, die an Weihnachten geboren sind, werden oft auf den Namen (Noel oder Noelle) getauft. Auch im Deutschen verbindet sich damit der Gedanke an Weihnacht.

Die kleine Noelle passt leider so gar nicht in dieses Bild. Jahr für Jahr beobachtete man ihre Entwicklung in der Erwartung, dass sie sich ändern möge, dass ihr Vertrauen in den Menschen wachse und sie sich freundlicher zeige. Jahre sind darüber vergangen und dem kleinen Unikat Noelle sind die ersten grauen Haare gewachsen. Noelle ist wie sie ist, was niemand so genau beschreiben kann, außer dass man sie guten Gewissens so nicht vermitteln kann. Niemand möchte einen Hund, dessen Verhalten man nicht in allen Situationen einschätzen kann. Die selbstbewusste Noelle zeigt, dass sie schnell einmal schnappt, wenn sie etwas nicht möchte.

Was Noelle dazu bewegt hat, sich dieses Schutzschild umzulegen und nach Bedarf sich den Weg frei zu halten durch Schnappen, weiß niemand. Sie kam als junge Hündin in die Tierstation und ging recht selbstbewusst dort ihre Wege. Man sieht Noelle überall, unter den Hunden, auf Besuch bei der Versorgerin und auch bei Stationsbesuchern. Sie ist an allem interessiert und immer irgendwo dabei oder in der Nähe. Aber blindes Vertrauen zahlt sich bei Noelle nicht aus. Wenn es Noelle in den Sinn kommt oder ihr jemand zu viel oder zu aufdringlich wird, kann Noelle unerwartet sich von einer anderen Seite zeigen. Dies billigt man verständlicherweise keinem Familienhund zu, weshalb Noelle hier nicht mehr zur Vermittlung kommt.

Da Noelle inzwischen schon ein älteres Hundchen (ca. 8-9 Jahre alt) ist und auch Leishmaniose positiv getestet wurde, wünschen wir uns für sie Paten, die sie aus der Entfernung vielleicht auch so mögen, wie sie ist. Manch ein Mensch wird auch mit fortschreitenden Jahren grantig zu seiner Umwelt. Mitmenschen lernen Abstand zu nehmen oder jemanden so zu nehmen, wie er nun einmal ist. Noelle meistert nach ihrem Gutdünken und selbstbestimmt den Alltag in einer lauten Tierstation ohne jeden Luxus. Sie fällt nicht weiter auf und verlangt nichts. Oft pattrouliert sie am Zaun. Futter ist ihre Leidenschaft. Noelle muss man einfach nehmen, wie sie ist. Mensch und Tiere kennen sie und können damit umgehen.

 Mit einer Patenschaft möchten wir Noelle Gesundheitskontrollen, ihre Medikamente (Allopurinol, das sie vorsorglich bekommt - nicht teuer) und besseres Futter zukommen lassen. Auch einem „hässlichen Entlein“, das sich nicht immer nur freundlich zeigt, möchten wir Respekt vor dem Leben zollen.

Anmerkung: Selbst wenn Noelle nicht in dieses heilige Bild der Weihnacht, des Friedens auf Erden und des Glaubens an ein Wunder passt, so verbinden wir für sie hier die Wünsche an das Geschenk eines besseren Lebens an dem Ort, an dem Noelle seit Jahren lebt.