Paris (geb.6/2015, männlich, kastriert)

Stand: 11.06.2020

 

Notfall

 

 Paris – plötzlich erblindet

 

Der ca. 5 Jahre alte kastrierte Rüde Paris (58 cm Schulterhöhe) hat nicht nur harte Schicksalsjahre seit seiner Welpenzeit hinter sich bringen müssen; er trägt nun besonders hart an seinem neuen Schicksal nach plötzlicher Erblindung, für die sich kein medizinischer Grund trotz eingehender Untersuchungen finden ließ. Paris ist ansonsten ein gesunder Hund im besten Alter.

 

Viele Hunde verlieren langsam durch Alter oder altersbedingte Krankheiten ihr Augenlicht und kommen doch mit der neuen Situation, die ihnen meist genügend Zeit zur Anpassung lässt, recht gut zurecht. Maßgeblich trägt dazu ein im Umgang mit dem Vierbeiner achtsames Zuhause bei und ein bekannter Lebensrhythmus und Lebensort. Das Tier kann sich auf die Hilfestellungen und die Unterstützung seiner Besitzer meist verlassen und auf eine Konstanz im Umfeld, in dem es meistens an nichts fehlt. Das Empfinden der Sicherheit, das wir Menschen und auch ggf. noch andere in einem Haushalt lebende Tiere geben, führt ein erblindendes Tier durch sein Leben. Andere Sinne verstärken sich, wie dies auch bei Menschen der Fall ist. An dem richtigen Ort und den dafür wichtigen Lebensbedingungen aber fehlt es Paris.

 

Um seine Situation besser verständlich zu machen, berichten wir über seinen bekannten Lebensweg. Paris wurde zusammen mit der bereits 2016 vorgestellten Hündin Ira als Welpen auf der Straße in einem griechischen Ort gefunden. Sie kamen in ein kleines privates Tierheim und lebten dort unter erbärmlichen Umständen. Paris fand dabei immer seinen Halt an der kleineren Hündin Ira, die ihrerseits aber nichts mit Paris verband. Als das Tierheim unbegründet von heute auf morgen geschlossen wurde, verkündete die Gemeinde, dass die Tiere genauso gut auf der Straße überleben könnten und sich dort ihr Futter suchen sollten. Eine kleine Tierschutzorganisation verbreitete die unfassbare Kunde und mobilisierte mehrere Vereine und Privatpersonen, die sich um herrenlose Tiere kümmern. Die Tiere wurden schließlich aufgeteilt unter diesen.

 

Paris und Ira kamen zusammen zu unseren Tierschutzpartnern in die Tierherberge und leben dort seit Ende 2016 zusammen mit den anderen Vierbeinern- ohne Gefühle des Hungerns und Durstens. Sie lernten, wie normale Hunde sich nicht nur über das Fressen zu freuen oder gar darum kämpfen zu müssen. Rennen und spielen waren neue Erfahrungen, die fröhliche Hunde aus ihnen machten unter den gegebenen eingeschränkten Bedingungen. Paris suchte wie früher weiter seinen Halt bei Ira, die wiederum sich nicht mit Paris verbunden fand. Er war ein Anhängsel, auf das sie nicht weiter achtete. Obwohl Paris stets freundlich und den Menschen zugewandt war und sich auch mit anderen Tieren verstand, so suchte er stets nur die Nähe von Ira. Wo Ira war, war auch Paris.

 

Die einseitige Freundschaft oder Abhängigkeit Paris‘ von Ira fand ihren Höhepunkt, als Paris ab Anfang 2020 plötzlich erkennbar unsicherer wurde auf der Suche nach Ira. Man merkte recht schnell, dass er schlechter sehen musste, was nicht zu seinem Alter passte und auch optisch an seinen Augen nicht durch Eintrübung z.B. zu erkennen war. Paris wurde sofort tierärztlich untersucht und kurz darauf in einer Tierklinik für spezielle Untersuchungen an den Augen vorgestellt. Die Ursache seiner plötzlichen Erblindung ließ sich nicht finden und damit die totale Erblindung nicht stoppen.

 

Paris hatte anfangs große Probleme sich wieder zurechtzufinden. Er wartet auf Ira und betritt sein Nachtlager (einen Zwinger) nicht, bevor Ira sich dort niedergelassen hat. Wo Ira ist, ist Paris. Seine Nase und sein Gehör suchen nach Ira; Ruhe und Zufriedenheit kehren bei Paris ein, wenn er Ira in seiner Nähe weiß.

 

Da Ira in keiner Weise Interesse an Paris zeigt und ihre Vermittlungschance als wunderbare Hündin nicht verlieren darf, würden wir Paris gern zuerst in ein liebevolles Zuhause vermitteln, wo er Menschen findet, die ihm den Halt geben, den Paris vermisst. Er ist Menschen sehr zugetan und lässt sich gern streicheln und verwöhnen, wobei er Letzteres nur sporadisch kennengelernt hat. Nach seiner Erblindung ist er zwar vorsichtiger geworden und möchte erst geruchsmäßig Neues erfassen dürfen, aber ein Leben an der Seite von Menschen wäre für Paris sicher eine wunderbare Erfahrung. Sicher könnte ihm auch eine nette Hündin Halt geben, die sich nicht von ihm abwendet, wie Ira. Wir wollen es jedenfalls nicht unversucht lassen, jedem dieser beiden Hunde seine faire Chance nach über 5 Jahren entbehrungsreichen Lebens zu geben.

 

Paris sucht seinen Weg nun auch noch durch die Dunkelheit und kämpft sich weiter durch das Leben, um zu überleben. Ein Hundeleben, das an Härte nichts für ihn missen ließ. Langsam hat er zurück in seine Routine gefunden. Das Leben ist sichtlich schwerer geworden für ihn, aber es geht weiter.

 

Seine Betreuerin beschreibt das ungleiche Hundepaar wie folgt: Ira war immer sein Kompass. Iras Name wurde zu seinem. Vernimmt Paris den Ruf nach Ira, kommt er freudig mit herbei.

 

Wir haben selten über eine so berührende und gleichzeitig kontroverse Lebensgeschichte berichtet wie der von Paris und Ira, deren Leben miteinander geprägt ist von Zuneigung und Desinteresse, von Sicherheit und Verlust, von Heimat und Verlorenheit, von Licht und Dunkel.

 

So lange Paris keinen Ort der Geborgenheit und Sicherheit, kein Zuhause für sich finden kann, können wir Ira nur schwersten Herzens vermitteln. Das Glück des einen soll am Ende nicht den Untergang des anderen bedeuten. Dass so etwas möglich sein kann, zeigten uns getrennt vermittelte Hundebrüder, die ihre enge Verbundenheit in Griechenland nicht erkennen ließen. Für sie gab es auf langen Umwegen 2019 schließlich ein Happy End.

 

Wir hoffen, mit dieser Vorstellung Licht ins Dunkel für Paris bringen zu können

 

und dass es für Paris und Ira ein eigenes Happy End geben wird.

 

Film_PARIS.mp4
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