Lenny (10 Jahre, männlich, kastriert)

Stand: 24.12.2018

Lenny – alt und blind, ausgesetzt…

In einer mit Zeitungspapier ausgelegten Gemüsekiste eines Supermarktes wurde der ca. 10 Jahre oder älter geschätzte Rüde Lenny vor dem Zaun der Tierherberge ausgesetzt. Zusätzlich band man ihn noch an dem Zaun fest. Ein kleiner alter Hund, dessen Augen blind oder geblendet waren und der an Haut und Fell nicht gut aussah. Ein Bluttest zeigte den Hintergrund: Ehrlichiose (Zeckeninfektion) und Leishmaniose positiv. Lenny musste vorwiegend im Freien gelebt haben. Die Zeckeninfektion wurde mit Antibiotika behandelt und er erhält seit Oktober Allopurinol gegen die Leishmaniose als Dauermedikation. Lennys Fell und Gesamtzustand hat sich deutlich verbessert.

Anfangs war nicht klar, was für den bedauerlichen Zustand seiner Augen verantwortlich war. Ist Lenny aufgrund des Alters erblindet? Der Tierarzt vermochte es nicht zu sagen. Ein Augapfel ließ grauen Star vermuten, der andere war in schlimmem Zustand. Er überwies Lenny daher in eine Tierklinik. Die Ärzte dort vermuteten zunächst einen Fremdkörper im Auge, was sich später aber nicht bewahrheitete. Lennys Augen wurden behandelt mit Tropfen. Der Erfolg stellte sich sichtlich ein. Lenny ist nicht mehr vollends blind, er sieht wieder schemenhaft. Zumindest findet er den Weg zur Stationsleiterin an allen Hunden vorbei. Sein Ziel ist es auf den Arm genommen zu werden.

Lenny ist ein kleiner Hund von ca. 25 cm Schulterhöhe und 4 kg Gewicht. In der Tierstation hat man bisher alles für ihn getan, was jeder Neuankömmling als Programm durchläuft, inklusive Kastration. Eine in Aussicht gestellte teure Augenoperation scheint nicht mehr nötig.

Lenny ist ein ganz armes Geschöpf, das wohl kaum jemals etwas Gutes erlebt haben dürfte. In der Station hat er Unterkunft, Futter, findet, wenn er Glück hat, ein Kissen oder Körbchen und wird medizinisch betreut, so gut es geht. Was er nicht hat, ist seine Ruhe. Die jungen Hunde turnen über ihn hinweg, rempeln ihn um oder spielen mit ihm in einer Art und Weise, die nicht schön anzusehen ist. In der Tierwelt nicht ungewöhnlich. Die einzige Alternative wäre ein Separieren von Lenny, der aber gern am Leben teilhaben möchte. Ein dortiges Leben als Gnadenbrottier ist für Lenny nicht ohne Besorgnis zu sehen. Er ist dafür zu klein, eingeschränkt im Sehen und damit Einschätzen der Situationen, in die er sich begibt.

Für Lenny würden wir uns das Weihnachtswunder wünschen, das auch für ihn noch ein ruhiges, warmes Plätzchen irgendwo bei liebevollen Menschen in Aussicht stellt. Menschen, die wissen, dass nicht die Anzahl der Jahre den Wert eines Lebens allein bestimmen.  Jeder, der sich selbst oder andere mit der Endlichkeit des Lebens einmal konfrontiert sah, weiß um die Magie des Augenblicks. Es würde uns freuen, wenn Tiere wie Lenny noch einen schönen Lebensabend verbringen dürfen. Er hat viel zu geben an Zuneigung, die ihm selbst kaum zuteil geworden sein kann, so wie man sich von Lenny verabschiedet hat. Wir würden den rüstigen kleinen Rentner gern willkommen heißen.

 

Lenny_Film.mp4
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