Kanella (3,5 Jahre, weiblich, kastriert) 

Stand: 20.08.2019

 

Kanella – Unfall in der Tierstation verändert alles

 

Die bildhübsche Hündin Kanella kann nicht nur mit ihrem ansprechenden Äußeren punkten, sondern auch mit Wesensmerkmalen, die nicht viele Wünsche an einen Vierbeiner als Familienmitglied offen lassen. Eine sensible und doch offene und fröhliche Hündin, die sich mit Artgenossen verträgt, Katzen akzeptiert und auch bei Männern und Kindern keine Vorbehalte oder Ängste zeigt.

 

Kanella ist heute ca. 3,5 Jahre alt, kastriert und geimpft. Mit 55-57 cm Schulterhöhe und 27 kg Gewicht, mag man sie als Retriever- oder Hovawartmischling einstufen. Ihre gesamte Erscheinung lässt auch die Vorstellung zu, dass ein griechischer Hirtenhund (z.B. Helenikos Pimenikos) eingekreuzt sein kann. Bekannte Eigenschaften dieser Hunde lässt Kanella nicht erkennen, was in einer solchen Rudelhaltung allerdings auch nicht untypisch sein muss.

Alle Hunde entwickeln sich noch nach Vermittlung und dem neuen Gefühl einer Familienzugehörigkeit mit entsprechender Identifikation des Hundes in seinem neuen Umfeld. Ihm werden im Idealfall Aufgaben zugewiesen. Ansonsten sucht sich der Hund Beschäftigung. Grundsätzlich sollte jedem Hund ein Platz in der Familie zugewiesen werden, der ihm Schutz, Geborgenheit und einen Ort der Ruhe, aber auch Führung vermittelt. Gerne nimmt ein Hund Aufgaben wahr. Jeder Hund möchte mit seinem Tun gefallen und menschlichen Anklang finden. So auch Kanella, die freundlich sich allen Menschen zuwendet, aber auch allein sich beschäftigen kann.

Leider ist Kanella seit kurzem wirklich allein (gelassen). Bei einem Unfall in der Tierstation (welcher Art ist nicht bekannt) kugelte sie sich das rechte Hinterbein aus. Was für uns in Deutschland unvorstellbar ist: sie wartete auf ihre wiederherstellende Operation mehr als zwei Wochen, da durch die Sommerzeit Tierkliniken geschlossen waren und andere mit Notfällen überlastet. Kanella zählte mit ausgekugeltem Bein nicht als Notfall und außerdem war/ist Kanella eine „Stray“ (Heimatlose).

 

Nun aber ist es geschafft. Kanella ist erfolgreich operiert worden. Die Kugel ist zurück platziert worden in die Gelenkpfanne ohne Schrauben oder Drähte, wie man uns sagte. Es wurde Ruhe angeordnet, da Kanella von sich aus weiter umher lief ungeachtet sicher vorhandener Schmerzen. Ihr Genesungsort abseits vom Getümmel der anderen Hunde: ein ehemaliger kleiner Stall. Inzwischen ist Kanella soweit wieder genesen, dass sie ihr Bein schon wieder ansatzweise benutzen kann. Ob ein Humpeln bleiben wird, kann der Tierarzt nicht sagen. Bei der Operation bemerkte er eine Hüftgelenksdysplasie, die das Auskugeln des Beines sicher begünstigt hatte.

 

Bei bestimmten größeren Rassen ist die Hüftgelenksdysplasie häufiger Thema. Diese ist nach der Operation mit erfolgreicher Rückführung der Gelenkkugel in die Gelenkpfanne nicht mit behandelt. Man muss bei Kanella also davon ausgehen, dass sie in späteren Jahren ggf. Medikamente benötigen kann. Schmerzen sind offensichtlich kein Hindernis für Kanella gewesen, wenn man ihre Wartezeit auf die OP und an die Zeit danach denkt. Sie zeigte sich nie leidend oder von Schmerzen gepeinigt. Dennoch sollte man sie keine Schmerzen aushalten lassen müssen. Daher der Hinweis, dass Kanella bei ggf. fortschreitender HD später medikamentöse Unterstützung benötigen kann.

 

Ideal wäre zum jetzigen Zeitpunkt eine unterstützende Therapie durch Wasserlaufband oder Chiropraktik, wie sie manche Tierärzte und Tierheilpraktiker anbieten. Dies wird Kanella in Griechenland nicht zuteilwerden können mangels Angeboten.

 

Die teure Operation von Kanella wurde dankenswerter Weise von einer großen Tierfreundin mit enger Verbundenheit zu unserem Verein übernommen. Tausend Dank dafür!

 

Kanella konnte also erfolgreich geholfen werden. Wo aber liegt nun Kanellas Zukunft? Sie wird sehr große Tierfreunde benötigen, die ihr trotz allem ein Zuhause anbieten wollen.

 

Wer Kanella sieht, weiß, sie braucht kein Mitleid, sondern ein Angebot, fröhlich und aktiv leben zu dürfen. Die Filme so kurz nach ihrer Operation Anfang August zeigen, wie sehr Kanella Bewegung schätzt und neue Eindrücke draußen sammeln möchte. Es geht nicht darum, sie körperlich schonen zu wollen, sondern ihr die wichtige, aber richtige Bewegung zu ermöglichen und, wenn möglich, mit gezielter Gymnastik ihre Muskeln und damit den gesamten Halteapparat zu stärken. Wie alt ein solcher Hund werden wird und kann, ist nicht zu sagen. Erfahrungsgemäß staunt man häufiger, wie alt diese Hunde tatsächlich werden, als dass man mit einer kurzen Lebenserwartung rechnen muss.

 

Tiere wie Kanella schöpfen aus jeder Minute Freude und Lebensqualität. Es sind wir Menschen, die wir meist leiden, wenn wir um Handicaps unserer Tiere wissen. Vielleicht können wir für Kanella sogar Menschen finden, die sich etwas auskennen und prophylaktisch selbst mit Kanella therapeutisch arbeiten können? Gerne stellen wir Röntgenbilder und vorhandene medizinische Unterlagen zur Verfügung.

 

Kanella_Film.mp4
MP3-Audiodatei [12.2 MB]