Jordis (geb. 1/2018, weiblich, kastriert)

Stand: 30.08.2020

 

Jordis – kleiner Hund mit großem Herz

 

Die zierliche Hündin Jordis mit ihren knapp 30 cm Schulterhöhe und geschätzten 4,5 kg Gewicht möchte man als Unikat bezeichnen. Sie sieht verwegen aus, wie ein Zwergschnauzer mit leichtem Überbiss, trägt aber die Gene dieser Rasse nicht in sich. Wir wissen, dass sie ein Jack Russell Mischling ist (Mutter reinrassig, Vater Miltos ein süßer Mischling). Als Resultat der Unwissenheit oder Ignoranz von Menschen, die glaubten, verschieden geschlechtliche Tiere würden keinen Nachwuchs zeugen, fanden insgesamt sechs Welpen samt Hundevater verängstigt 2018 Aufnahme im Tierschutz.

 

Fünf Geschwister von Jordis haben es in die große Welt geschafft und leben heute ein Traumleben als geliebte Familienhunde. Sie haben ihre anfängliche Angst vor dem Unbekannten alle abgelegt und sind muntere und fröhliche Gesellen, die ihren Besitzern sehr viel Freude machen.

 

Allein Jordis scheint vom Pech verfolgt. Ist es das schwarze Fell, das verwegene Aussehen? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass über zwei Jahre niemand nach Jordis fragte und dass Jordis leidet. Viele Hunde, mit denen sie ihr Leben teilte, sind inzwischen vermittelt, darunter auch ihre gesamte Hundefamilie, die ihr Halt gaben und mit ihr spielten.

 

Mit der Vermittlung der letzten Hundegeschwister veränderte sich viel in Jordis Leben. Als zurzeit kleinste und fragilste Hündin ist sie oft Ziel von Übergriffen von anderen Hunden, die sich gerne verbünden zur spielerischen Jagd auf „das Spinnchen“. Für Jordis ist das alles andere als ein schönes Spiel. Auch ist nicht immer jemand zur Stelle, der die anderen davon abbringen kann. Eine einzige Frau, die sich auf einem großen Areal um so viele herrenlose Tiere kümmert, ist nicht allein für Jordis da. Ist sie aber einmal anwesend, dann kuschelt sich Jordis ganz eng an sie und findet besonders in der Nacht ein Schlupfloch zu ihr ins Bett. In diesen wenigen Stunden der Ruhe ist die Welt für Jordis in Ordnung. Sie möchte dem Menschen nahe sein dürfen, auch einmal auf den Arm genommen werden und sich geborgen fühlen. Dies wird immer deutlicher, seitdem die unbeschwerte Welpenzeit für Jordis vorüber ist.

 

So wurde das Schlafzimmer an Tagen, an denen Jordis so gar nicht in Ruhe gelassen wird von anderen Vierbeinern, der Ort des Schutzes und der Ruhe, wenn die Stationsleiterin nicht da ist. Dies war auch an einem schwarzen Tag im Juli 2020 der Fall, als Einbrecher in die Station eindrangen, das Haus aufbrachen und über das Schlafzimmer in das Versorgungshaus sich Zugang verschafften. Sie verwüsteten das Schlafzimmer, brachen mit Schaufeln die Türen auf, wo sich andere Hunde zu ihrer Überraschung in großer Zahl auch im Haus befanden. Diese hielten sie mit einem Wasserschlauch von sich fern und erzeugten große Angst bei den so freundlichen und menschbezogenen Hunden im Haus. Natürlich fanden sie nichts an Wertgegenständen oder Geld. Wie sollte das an einem solchen Ort auch möglich sein? Die Einbrecher verbreiteten Angst und Schrecken und verwüsteten das Wenige, was solche Menschen haben.

 

Nach dem Einbruch wurden alle Hunde wieder gefunden, bis auf Jordis. Erst nachdem man das Schlafzimmer wieder zugängig gemacht hatte, fand man auch die kleine Jordis wieder. Sie war in der  hintersten Ecke unter dem Bett gewesen und harrte dort zitternd aus, bis der vertraute Mensch zurückgekehrt war. Jordis war unversehrt am Körper, was sie aber durchlitten hatte, konnte man ihr ansehen.

 

Türen und Fenster sind repariert und verbarrikadiert für künftige Einbruchsversuche. Das aber wissen die Tiere nicht. Für Jordis ist der ihr so vertraute Rückzugsraum seitdem auch kein Ort der Sicherheit mehr. Jordis braucht nun ein Zuhause, in dem sie neu beginnen und ihre alte Lebensfreude wieder erlangen darf. Fotos werden Jordis leider nie so wirklich gerecht. Sie vereint die menschlich gedachten Schönheitsideale eines Hundes vielleicht nicht unbedingt auf sich. Eine Laune der Natur, die trotzdem Jordis so besonders gezeichnet hat, dass man sie wieder als schön bezeichnen muss oder eben als einzigartig. Ist das aber nicht jedes Tier auf seine Art? Man muss es nur erst kennengelernt haben. Auf diese Chance wartet Jordis, die bereits zum zweiten Mal ihre Weihnachtsgeschenke aus Deutschland in Empfang nehmen durfte. So ganz übersehen wurde sie demnach nicht.

 

Das größte Geschenk wäre für Jordis ihr drittes Weihnachten 2020 in einem Zuhause.

 

 

Jordis_film.mp4
MP3-Audiodatei [1.6 MB]