Asproula (verstorben im Herbst 2010)

 

Unsere kleine Weisse  (Text von Asproulas Frauchen)

Asproula wurde mir an einem späten Oktober-Abend übergeben.Ihr Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Die kleine Weisse". So klein war die Spitz-Hündin aber gar nicht, denn sie hatte einen geradezu pompösen Pelz, so schneeweiß, dass er durch die Dunkelheit des Abends leuchtete. Ihre Augen quollen etwas hervor und waren vollkommen blind, bei genauerem Hinsehen blutunterlaufen, und auch das Näschen blutete.
Gütige Seelen hatten das hilflose Tier in Athen aufgegriffen, wo es herrenlos herumirrte und gegen die Hauswände stieß, hungrig, durstig und immer auf der Flucht vor hupenden Autos und vorüberhastenden Menschen. Danach die üblichen Stationen hilfreicher Tierfreunde, bis das Endziel erreicht war und wir sie durch die liebevolle Vermittlung von Frau Haub in die Arme nehmen konnten.
Asproulchen musste sich bei uns unter mehreren Hunden zurechtfinden, was sie ganz einfach dadurch meisterte, dass sie jeden erst mal kräftig anbrummte. "Wagt euch!", hieß das, "wagt euch, mich blöd anzumachen!" Die anderen reagierten mit Verwunderung und machten erst mal einen großen Bogen. Der Bogen jedoch wurde im Laufe der Zeit immer kleiner, und irgendwann gehörte sie dazu, ob sie nun brummte oder nicht. Und darauf verzichtete sie dann auch, denn das Leben wurde viel zu interessant! Es galt einen großen, abgedichteten Garten zu inspizieren, es galt, sich Treppen zu merken, Bäume zu umgehen, die einzelnen Zimmer richtig einzuordnen, kurz: sich blind in der neuen Heimat zurechtzufinden. Sie hat das wunderbar geschafft, tapfer, hingebungsvoll, eifrig und und voller Vertrauen in uns, die wir sie zunächst immer wieder auf den gleichen Wegen herumführten.
Natürlich hatte ihre Blindheit eine Krankheits- Ursache, die zwar immer mal wieder ausbrach, aber jedes Mal mit Hilfe des Tierarztes zu reparieren war. Bis sich unsere "kleine Weisse" eines Tages trotz aller ärztlichen Mühen nicht mehr regenerieren konnte, weil andere Krankheiten in dem immungeschwächten Körper auftauchten. Wie hat sie sich bemüht, durchzuhalten und ihr schönes neues Leben noch lange zu genießen! Wie ist sie immer wieder aufgestanden und langsam durch den Garten spaziert, hat sich ganz dicht an uns angeschmiegt, als wollte sie sagen:"Ich will unbedingt bei euch bleiben!" Bis sie eines Tages einfach nicht mehr konnte.
Schwer krebskrank, mit versagenden Organen mussten wir sie einschläfern lassen. Wir werden diesen Gang zum Tierarzt, zu dem sie sich mit ihrem uneingeschränkten Vertrauen widerstandslos tragen ließ, nie vergessen! Und wenn wir an sie denken, wird es immer eine Mischung aus Dankbarkeit, Liebe und Repekt sein, Respekt vor so viel Tapferkeit, Würde und Lebensmut! Gefühle, die man jedem Tier engegenbringen müsste, die sich jedes Tier eher verdient als viele Menschen!