Oscar: Eindrücke aus Fr. Ranias Station in Athen
Hi, ich bin Oskar und ein echter „Straßenhund“ aus Griechenland.
Vorletzte Woche kam eine Frau von weit her, um mich und meine Kumpels anzuschauen. Sie streichelte uns alle und schmuste mit uns. Sie schaute gar nicht so arg nach mir. Ist auch schwer bei 170 Kumpels. Oh, hat die Frau uns so toll gestreichelt und für uns gesungen und mit uns geredet. Wow, war das so schön und tat unserer Seele so gut.
Mein Gedanke war: „Die nimmt mich nicht mit. Ich bin schwarz und Rüde.“
Sie half Rania (meine griechische Mutti und Retterin), die momentan niemanden hat, der uns helfen will. Maria unsere zweite Mutti, ist plötzlich sehr schwer erkrankt und wir haben keinen Helfer, der ohne viel Geld für uns da sein will. Niemand will Schmutz wegräumen, Wasser in der Hitze auffüllen, um Futter für uns betteln und uns streicheln etc.?
Die deutsche Frau musste ich dann auch noch gleich enttäuschen. Ich bekam so ’nen „Strick“ um den Hals und sollte an einer Schnur mit ihr raus. Hilfe, Hilfe, hatte ich Angst. Ich zappelte und begab mich in einen Sitzstreik. Hei, das half. Aber nur kurz. Ein Mann kam und packte mich ins Auto. Wir fuhren zum Tierarzt. Das ging gerade noch. Dann kam das mittlere Entsetzen. Ein Sitzstreik beeindruckte die Frau aus „Germania“ nicht mehr. Ich wurde geduscht. Es gab kein Entrinnen. Rieche ich eigentlich noch nach ich?
Ich dachte, dass jetzt alles den Gully runterfließt (auch ich).
Später kam ich in eine Box. Es war zum Heulen. Es half nichts. Selbst die neue Frau weinte. Jetzt kommt bestimmt was Schlimmes. Alle meine Kumpels musste ich zurücklassen.
Ich habe wohl ein wenig geschlafen und als ich aufwachte, entdeckte ich das Paradies.
Es gab Reis mit Huhn in einem Napf. Ich verbrachte eine tolle erste Nacht gemeinsam mit der Frau. Am nächsten Tag lernte ich meinen neuen Kumpel, auch ein Grieche, kennen. Er ist ganz okay, aber ich muss mich noch etwas ins Zeug legen.
Wie viel Glück kann man nur haben? Ich fühle mich toll aber auch traurig, wenn ich an meine Kumpels in der Station denke.
Wir haben nicht viel. Nicht genügend Geld für Medizin und Fressen. Rania geht nachts für uns putzen (damit uns auch nicht das Wasser abgestellt wird), tagsüber versorgt sie uns (bei Temperaturen die locker mal 40 Grad erreichen) und zwischendurch geht sie für uns in Supermärkten betteln. Wir freuen uns auch über „Gammelfleisch, altes Obst und Gemüse“. Stellt euch mal vor, sie macht das alles nur für uns. Sie fährt und schleppt alles alleine hier in die Station.
Ganz ehrlich, mein neues Frauchen war schon nach einem Tag platt. Wir haben Angst, dass Rania immer mehr Energie verliert. Sie sagt uns das nicht. Wir sehen und spüren es aber. Einige meiner Kumpels sind bei Rania schon ganz ganz viele Jahre. Wir bangen um ihre Gesundheit und unsere Existenz in der Station. Deshalb freuen wir uns über jede Hilfe.
Euer Oscar, der es sich nun wirklich gut gehen lassen darf in Deutschland.
Euer Oscar!

