Neues von Melina - Mai 2010

Mmmh, bin ich ein braver Hund und warte?

Oder bin ich sehr schnell und setze dabei alles auf eine Karte?

 

Ich lege mich einfach zu Peter auf die Erde,

vielleicht merkt es Frauchen ja nicht, wenn ich immer länger werde!

 

Natürlich wird es bemerkt, also werde ich eine Brave sein, ist das zu fassen?

Dafür wird mir Peter bestimmt auch etwas übriglassen!

 

Ich werde später einfach minütlich Pipimachen gehen

und dabei ganz unauffällig im Gehege nachsehen!

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Hallo und Kalimera,

mein Name ist Melina und ich darf mit Stolz behaupten, dass ich sozusagen „der Hund der ersten Stunde bin“ oder „den Stein ins Rollen gebracht habe“!

 

Geboren wurde ich auf den Straßen Athens. Meine Hundemama war eine feine kleine Münsterländerin und mein Papa muss ein Skunk gewesen sein. Von ihr habe ich meine zarte Statur und das sanfte Wesen, von meinem Papa habe ich das abstehende Fell und andere unangenehme Eigenschaften (behauptet meine Menschenfamilie!).

 

Aber lassen Sie mich von vorne anfangen:

Ich kam als junger Hund in Frau Ranias Auffangstation in Athen. Mein hinteres Beinchen war gebrochen und ich musste für 4 Monate bei einem Tierarzt in einem Käfig sitzen. Wie sich sicherlich jeder denken kann, war das nicht das, was ein junger aufgeweckter Hund von seinem Welpendasein erwartet. Aber ich war froh, dass sich überhaupt jemand um mich kümmerte. Als mein Bruch verheilt war, durfte ich wieder zurück zu Frau Rania. Das war eine Freude! Praktisch hatte ich ja meine ganze Welpenzeit in einem Käfig verbracht und musste deshalb viel nachholen. Ich habe immer mit den anderen Hunden im Garten rumgetollt und wie das halt oft so ist, habe ich nicht richtig aufgepasst, bin mit meinem Beinchen in einer Palette hängengeblieben und schon wieder war es gebrochen. Diesmal war es allerdings so schlimm,  dass ich operiert werden musste. Kann ein Hund denn so viel Pech haben? Nach der OP erholte ich mich recht gut im Tierheim.  Rania und ihre Helferin sorgten sich sehr um mich und waren auch zu Schmuserein bereit, soweit sie sich Zeit für mich nehmen konnten. Ich muss vielleicht noch erwähnen, dass ich alle Menschen absolut liebe und meine ganz eigene Art habe, es ihnen zu zeigen. Ich versuche sofort, auf den Schoß zu kommen und lege dann mein Köpfchen am liebsten in eine menschliche Halsbeuge um ihnen ganz genüsslich ins Ohr zu schnauben. Da war jede Streicheleinheit auch eine Wohltat für mein kleines Seelchen. Verglichen mit meinem Leben auf den Straßen Athens war ich mit meinem Leben im Tierheim eigentlich recht zufrieden. Natürlich träumte ich von meinem eigenen Menschen, aber ich wollte nie zu sehr nach den Sternen greifen.

 

Eines Tages hat ein Mensch, der es sicherlich nicht böse gemeint hat, etwas Hähnchenreste über den Zaun des Tierheimes geworfen. Und weil ich ja einfach ein Pechvogel bin, ist die Hähnchenhaut auf mir gelandet. Für mich unvorstellbar, aber plötzlich ist fast das ganze Hunderudel auf mich losgegangen und hat mich tatsächlich stellenweise zerfleischt. Diese Schmerzen waren unerträglich (Foto 1).

Ich mache den anderen Hunden heute keinen Vorwurf mehr, bei uns gelten andere Überlebensgesetze, da muss jeder schauen, wo er bleibt und weh wollte mir bestimmt keiner tun. Aber ich war kurz vor dem Verzweifeln, es ging mir einfach nicht mehr gut. Rania und ihre Helfer bemühten sich sehr um mich, aber es war einfach zu viel in zu kurzer Zeit.  Meine Wunde wollte nicht heilen. Wenn ich nun mein Köpfchen mal wieder in eine Halsbeuge legen konnte, habe ich nicht mehr selig geschnaubt, sondern gewinselt.

 

Dann endlich die lang ersehnte Ausreise ins gelobte Deutschland!!! Dachte ich!!!

Aber weil ich ja ein Pechvogel bin, musste es fast schon schiefgehen. Eine Familie hatte Fotos von mir gesehen, die mich mit meinen schlimmen Wunden gezeigt hatten. Wahrscheinlich hatten sie erst einmal schreckliches Mitleid mit mir, aber nicht weiter nachgedacht und ganz schnell kalte Füße bekommen. Angeblich war ihnen plötzlich die Pflege meiner Wunden zu aufwändig.

Na ja, Ihr könnt es Euch sicherlich denken: Mein Flugzeug ist ohne mich geflogen!

Zeitgleich dazu hat eine andere Frau von meinem Schicksal gehört und ganz entgegen ihrer Unspontanität spontan beschlossen, mich zumindest gesund zu pflegen und mir neuen Lebensmut zu schenken. Nun wusste sie schon von früher, dass Frau Haub nicht mit Pflegestellen zusammenarbeiten wollte. Sie hat dennoch alle Möglichkeiten der modernen Kommunikation ausprobiert, um Frau Haub noch rechtzeitig zu erreichen. Aber auch hier wieder typisch: Die beiden kamen erst nachmittags zusammen und meine Pflegemama erhielt die Auskunft, dass der Flieger ohne Melina gelandet sei.

 Dennoch hielt sie ihr Angebot aufrecht, obwohl der Herr im Hause nicht so sehr begeistert war. Er meinte, es würde so langsam reichen, mit den Tieren aus dem Ausland.  Es leben hier noch ein Rüde aus Athen, ein Kater aus Moldawien und eine Katze aus Spanien.

Frau Haub wollte sich die Chance nicht entgehen lassen, mich aus Griechenland rauszubekommen. Schnurstracks wurde ein Flugpate gefunden und schon am nächsten Tag bin ich in Frankfurt gelandet. Zwischenzeitlich wurde in meinem neuen Heim alles für mich eingerichtet.

Familie Haub hat mich vom Flughafen abgeholt, irgendwo auf halber Strecke haben wir Halt gemacht und da stand sie: Die Liebe meines Lebens!!!  Anfangs war ich natürlich noch total verschüchtert, aber nach 15 Minuten Autofahrt waren alle Hemmungen gelöst und ich habe mich auf sie gelegt. Heute nenne ich sie liebevoll Mama. Sie ist mein lang ersehnter Mensch, für mich wurde ein Traum war.

Die anderen Menschen hier im Haus und auch alle Besucher liebe ich sowieso. Ich bin offen für alles und jeden, dies bewundern viele Menschen, weil ich doch eigentlich schlimmstens traumatisiert sein müsste!  Ich habe mich hier so wohl gefühlt, das war unbeschreiblich (Foto 2). Plötzlich ging es mir so gut, dass meine schlimmen fleischigen Wunden fast gar nicht mehr wehgetan haben und dank der täglichen Pflege (die übrigens gar nicht sooooo aufwändig war!) so schnell zugewachsen sind, dass man ihnen dabei fast zusehen konnte.

Alle Menschen sind sofort von mir begeistert, man sagt, ich sei eine kleine Schmeichlerin. Sogar der Herr im Hause, der ja erst nicht von meiner Aufnahme begeistert war, kann mir nicht widerstehen. Er konnte es von Anfang an nicht, auch wenn er immer auf harten Mann macht. Der war gar kein Problem für mich!!! Ich setze mich einfach auf ihn und wende meine ganz persönliche Taktik an. Sehen Sie auf die Fotos, die ersten Sonnenstrahlen haben wir z.B.  gemeinsam im Garten genossen.

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Nun ist es allerdings wieder so kalt geworden, dass ich mir andere Wärmequellen suchen muss. Und da die Menschen nicht auf die Heizung passen, muss ich mich alleine drauflegen (s. Foto 6).

Die Katzen in der Familie konnte ich nach anfänglichen Schwierigkeiten auch überzeugen. Die freche Spanierin, die mich am ersten Abend am liebsten zerkratzt hätte, wird nun damit leben müssen, dass ich mich immer dazwischen schmuggeln werde, wenn sie zusammen schmusen wollen (s. Foto 7 – ganz genau hinsehen!)

 

Nur bei dem Rüden hatte ich größere Probleme. Er wollte eigentlich Einzelhund bleiben.

Als er allerdings gemerkt hatte, dass sich meine Menschen schweren Herzens nach einem neuen Platz für mich umgehört haben(ihre Aufgabe war nun erfüllt, ich war gesund!), hat er reagiert und Zeichen gegeben, dass er mich nun also doch leiden kann. Er ist ein absolut stinkfauler Hund (so etwas haben Sie noch nicht erlebt – Foto 8 und 9), er war immer genervt von meinen Animationsversuchen, aber plötzlich hat er gezeigt, dass er von sich aus mit mir spielen wollte. Das war DAS Zeichen!!!!

 

Mittlerweile darf ich sogar schon in seinen heiligen Korb, allerdings nur für Fotozwecke ( Foto Nr. 10).

Und da hat meine Mama die Entscheidung gefällt, die eigentlich allen in ihrer Umgebung von Anfang an klar war und die sich auch Frau Haub heimlich gewünscht hat: Ich durfte bleiben!!!!!!!

Im Nachhinein bin ich nun froh, dass die erste interessierte Familie einen Rückzieher gemacht hat. Wer weiß, wie es dort ausgegangen wäre? Das war Schicksal!!!!

 

Hurra, endlich war ich angekommen (Foto 11).

Natürlich musste ich lernen, mich an die Regeln in einem Haushalt zu halten. Man findet hier so viele Gelegenheiten der zusätzlichen Nahrungsaufnahme, das ist wie ein Paradies. Meine Menschen sind sehr gut im verstecken und wegräumen, da sie durch Paris, den Rüden, schon einiges erleben durften. Er hat mir auch noch geholfen und mir so einige Tipps und Tricks verraten, wo die Menschen Sachen und Dinge verstecken. Am Ende finden wir doch fast immer etwas, schließlich hing ja einmal unser Überleben davon ab. Warum ich auch nicht auf das Sofa darf, kann ich nicht verstehen, die Menschen sitzen doch schließlich auch darauf.

Aber es ist halt nun einmal so, die Menschen haben das Sagen – also zumindest, wenn sie daheim sind. So bald sie nämlich raus gehen, schnuckeln Paris und ich auf dem Sofa (Foto 12).

 

Ich gebe es zu: Ich bin sehr sehr anhänglich. Meine Mama stolpert schon das eine oder andere Mal über mich. Alleine gibt es sie nicht mehr. Sie ist manchmal zwar schon etwas genervt, aber ich werde sie schon noch davon überzeugen, wie wichtig das für uns beide ist. Wenn sie dann doch einmal etwas Ruhe will und eine Tür hinter sich zumacht, bevor ich im Zimmer bin, mache ich die Tür einfach wieder auf und folge ihr. Aussperren, das geht ja schon mal gar nicht! Wenn ich könnte, würde ich ihr auch auf die Toilette folgen oder sie beim Duschen beobachten (s. Foto 13).

 

Da ist nämlich ein Loch in der Tür. Sozusagen für die Katzen, die Menschen verstecken im Bad das Katzenfutter, weil wir sonst alles stehlen würden!!!!!

 

Auch beim Gassigehen konnte ich meine Mama überzeugen, dass ich eine ganz kluge und lehrbegierige Hündin bin. Ich folge aufs Wort (Frau Haub meinte, dass dies sehr positiv für einen Jagdhund wäre). Mama wartet immer noch, dass ich irgendwann einem Eichhörnchen hinterherjage und dann eben nicht mehr höre. Sie weiß nämlich, dass in mir ganz viel Jagdhund steckt. Ich gebe mir aber Mühe und werde sie überzeugen (hoffentlich), bisher war die Eichhörnchenspur allerdings auch noch nicht so frisch, dass ………

Meine Wunden sind komplett zugeheilt und es ist sogar schon etwas Fell nachgewachsen. Ob es ganz zuwachsen wird, wird uns erst die Zeit zeigen können, aber das ist uns allen, sowohl mir als auch meinen Menschen, vollkommen egal. Das hat von Anfang an keine Rolle gespielt.

 

So, nun muss ich aber auch einmal ehrlich sagen, dass nicht alles nur schön und positiv ist. Ich habe Ihnen ja schon erzählt, dass mein Papa vermutlich ein Skunk war. Ich stinke nämlich aus meinem hintern Ausgang ganz erbärmlich – ich habe ein heftiges Analdrüsenproblem!!!! Und weil das alleine noch nicht genug ist, habe ich die Angewohnheit, meine großen Hinterlassenschaften zu fressen. Ich meine das doch nur gut, ich will keinen Dreck hinterlassen. Aber meine Menschen verstehen das nicht, besonders wenn ich Ihnen danach beim Schmusen in das Gesicht aufstoße!

Natürlich weiß ich, dass ich das nicht mehr machen soll (ich lerne ja schnell), aber wenn sie mich nicht beobachten, kann ich einfach nicht widerstehen.

Um das Analdrüsenproblem zu bekämpfen, müssen Paris und ich zur Zeit eine Ernährungsumstellung durchmachen. Mama kocht nun für uns, es gibt kein Trockenfutter mehr. Wir Hunde finden es klasse, es gibt lecker Fleisch. Durch die Umstellung hatten wir auch nachts große Probleme, Mama musste nachts bis zu 10mal aufstehen. Sie sagt, dass das Trockenfutter schon einfacher zu handhaben war. Aber es wird tatsächlich besser. Zumindest bei Paris, bei mir noch nicht so sehr, aber das wird schon noch.

 

Liebe Frau Haub, liebe Rania und alle lieben Helfer, ich danke Ihnen von Herzen! Sie haben mir und auch meiner Mama geholfen, dass wir uns gegenseitig einen Traum erfüllen konnten. Ich habe endlich meine Menschen und meine Mama hat endlich ihre Hündin. Wir haben uns vorgenommen, alle Probleme, die auf uns zukommen, gemeinsam zu meistern und sind uns sicher, dass wir das schaffen. Irgendwo im Hinterstübchen warten wir beide immer darauf, dass irgendetwas Unerwartetes passiert, dass mich mein altes Pech wieder einholt bzw. überholt. Wir hoffen beide, dass es das Flugzeug nach Deutschland verpasst hat oder irgendwo auf der Strecke geblieben ist.

 

Allen interessierten Menschen kann ich nur dazu raten, sich für einen Hund aus dem Ausland zu entscheiden. Natürlich sollten Sie vielleicht etwas länger überlegen, ob sie wirklich bereit sind, alles auf sich zu nehmen, was so kommen mag (meine Mama war vielleicht etwas zu spontan, sie würde es aber immer wieder so machen!).

Meine Mama hatte bisher nur Tiere aus dem Ausland, davon hat sie sich immer nur für kranke oder behinderte entschieden und es gab noch nie große Probleme. Im Gegenteil: Wenn sie dann wieder hört, wie andere Menschen ihre Tiere bei einem Züchter „bestellen“ und kaufen, und welche rassetypischen Probleme dann oft auftreten, dann ist sie jedes Mal wieder bestärkt. Natürlich gibt es auch mit uns das eine oder andere Problem, aber wenn alle daran arbeiten, ist es irgendwann kein Problem mehr.

 

 

Und allen Zweiflern und Kritikern am Auslandstierschutz können wir beide nur diesen einen Satz mitgeben. Meine Mama hat früher selbst immer gesagt, dass unsere Tierheime in Deutschland überquellen, warum holt man dann noch die Tiere aus dem Ausland. Da bekam sie von einer Tierschützerin die einfache, aber klare Antwort:

„Weil die Tiere im deutschen Tierheim wenigstens etwas zu fressen haben, die im Ausland haben nicht einmal eine Chance!“

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Familie Haub, noch viele erfolgreiche Vermittlungen und noch mehr Glücksmomente, wenn Sie wieder ein kleines Seelchen vom Flughafen abholen konnten.

 

Paris und ich drücken allen ehemaligen Heimgenossen ganz ganz fest die Pfoten, dass auch auf sie irgendwo in dieser Welt ein Traummensch wartet – wir haben unsere ja schon gefunden, die sind besetzt!!!!

 

Ein herzliches Wau-Wau aus unserer mittelfränkischen Heimat

 

Melina und Paris (Foto 14)