Blacky (5,5 Jahre, männlich, kastriert)

Stand: 22.05.2017

NOTFALL

Dunkle Wolken über Blacky

Kein Hund hatte jemals so viel Aufmerksamkeit erregt und so viele Anfragen wie Blacky auf Grund seiner durchweg positiven Charakterbeschreibung. Es gab einige Anfragen für ihn, die wir aus verschiedenen Gründen für den so freundlichen Rüden nicht immer geeignet empfanden. Als das passende Zuhause kam, das alles vereinte, das Blackys Leben die richtige Wende hätte geben können, zeichnete sich unerwartet eine dunkle Wolke am Horizont für Blacky ab.

Blacky wurde auf Mittelmeerinfektionen wie jedes Tier vor einer Vermittlung getestet und „auf Herz und Nieren“ geprüft. Gleichzeitig wurde er geschoren, sodass er in bester Optik reisebereit sein würde. Das Ergebnis: Blacky hat gute Blutwerte, ist frei von Leishmaniose. Ein positiver Titer ergab sich für eine Zeckeninfektion namens Ehrlichiose, woraufhin er mit Antibiotika nun behandelt wird. Krankheitsanzeichen oder ein verändertes Blutbild liegen nicht vor. Seinem Weg in eine freudige Zukunft stand scheinbar nichts im Wege, der Reisetermin war fest.

 

Bei der abschließenden Tierarztvorstellung zeigte sich, weshalb wir ihn als Notfall neu vorstellen wollen. Blackys Augen (vornehmlich das linke) trüben leicht ein. Diagnose: beginnender grauer Star. Blacky ist nicht älter als 5,5 Jahre nach wiederholter tierärztlicher Schätzung, d.h. seine Augen, die einen leichten bläulichen Schimmer im Hintergrund zeigen, trüben recht früh. Das Fortschreiten der Linsentrübung kann noch Jahre dauern. Der derzeitige Zustand, bei dem die Trübung nur bei grellem Licht oder unter der Lampe eines Tierarztes sichtbar wird, kann aber auch rascher fortschreiten und zu schlechtem Sehen oder eines Tages zur Erblindung führen. Dies vermag kein Tierarzt vorher zu sagen, da es sich dabei nicht um eine akute behandelbare Augenerkrankung handelt. Man geht von einer genetischen Disposition aus, die bei Pudeln und einigen anderen Rassen bekannt ist.

 

Nicht genetisch bedingt ist Blackys leichte Schwerhörigkeit, die ebenfalls über Zufall bemerkt wurde. Worauf sich dies zurückführen lässt, wissen wir nicht. Er hat keine Ohrinfektion seit Aufnahme im Tierschutz gehabt, die so etwas im schlimmsten Fall verursachen kann. Es wird in seiner Vergangenheit verborgen bleiben.

 

Damit ist Blacky ein Hund, der etwas schlechter hört als andere (wenn man etwas lauter spricht, reagiert und gehorcht er sofort) und momentan nur „vielleicht“ etwas schlechter auf einem Auge sieht, was Hunde kompensieren. Für uns wird Blacky damit aber zum Notfall, da die Interessenten, die er gerade hatte und die sich schon auf ihn freuten mit festem Übernahmedatum, mit Tränen für ihn aus nachvollziehbaren Gründen für diese Familie absagten.

 

Blacky ist damit nicht mehr der perfekte Hund. Er ist nicht alt, hat aber vielleicht bald zwei Anzeichen eines älteren Hundes, wenn seine Augen sich trüben und das Gehör nachlässt. Es sind keine Gebrechen, es sind keine Handicaps für den Hund, aber oft für den Menschen, da unsere Sinne und unser Tun von Augen und Ohren weitgehend geprägt sind. Für uns Menschen ist es eine erschreckende Erfahrung, die wir möglichst alle nicht erleben wollen (aber erleben werden, wenn wir alt werden). Anders bei Hunden, deren Nasen und andere Sinne feiner ausgeprägt sind als die unsrigen. Ihre Fähigkeiten zu überleben und Positives für sich zu erleben sind bei Seh- und Hörverlust besser. An diesem Punkt ist Blacky aber hoffentlich noch lange nicht und vielleicht wird dieser Fall der Dunkelheit und Stille nie vollends eintreten und wir diskutieren über menschliche Angst vor ungewisser Zukunft.

 

Momentan ist es dunkel geworden allein um Blackys Zukunft. Wir wagen zu vermuten, dass wenn Blacky tatsächlich blind und taub und dazu noch alt wäre, er Menschen für sich gewinnen könnte, die ihm noch Freude am Leben für die verbleibende Zeit geben möchten. So aber ist Blacky noch zu jung und gesund, um als Gnadenbrottier seine Chance zu bekommen. Mit 5,5 Jahren steht er statistisch gerade einmal in der Mitte eines Hundelebens, das bisher noch keines für ihn war.

 

Bewusst am Ende dieser Informationen stellen wir Blackys Charakter kurz und bündig dar:

ruhig, unauffällig, liebenswürdig, verträglich, anpassungsfähig, nichts fordernd, dankbar für alles. Mit dem jetzigen Wissen um die Reaktion auf dieses Wissen: bemitleidenswert!

 

Es wäre zu schön, wenn sich jemand „blind“ für Blacky entscheiden könnte und „taub“ gegenüber Vorbehalten wäre. Im Idealfall einer Mensch-Hund-Beziehung versteht man sich sprichwörtlich ohnehin „blind und ohne Worte“. In einer lauten und hektischen Welt eine Möglichkeit zu Ruhe und anderen Werten zu finden?  

 

Blacky an Leine 28.01.17.MOV
MOV Datei [15.0 MB]